Kronleuchter

Die Entwicklung von Kronleuchtern im Laufe der Jahrhunderte, Hauptmerkmale und Konstruktionslösungen, die für die einzelnen Stilrichtungen charakteristisch sind.

Jeder Kronleuchter wird als ein Kunstwerk konstruiert, bei dem die ästhetische Absicht eine größere Rolle als die technische Seite spielt. Das Ziel ist das Interieur und seinen Charakter zu unterstreichen. Und nicht zuletzt soll ein Kronleuchter Aufmerksamkeit der Personen anziehen, die den Raum betreten. Die prachtvollsten und wertvollsten Kronleuchter haben seit immer die repräsentativen Säle der Burgen, Schlösser und Paläste geschmückt.

Ähnlich wie die architektonischen Elemente haben auch die Kronleuchter ihre charakteristischen Merkmale, nach denen man ziemlich einfach die Stilrichtung bestimmen kann, in der sie hergestellt worden sind.
radleuchterDen Kern der Konstruktion von Kronleuchtern in der romanischen Kunst bildet ein flach gelegtes Rad, auf dessen Umfang einzelne Kerzen befestigt werden, daraus ergibt sich auch die Bezeichnung des Leuchters - Radleuchter. Dieser Leuchter wurde vorwiegend aus geschmiedetem Eisen und aus Platten aus Messing erzeugt und mit liturgischen Motiven geschmückt. Solche Kronleuchter waren ausschließlich für die Beleuchtung von Basiliken bestimmt. Unter die vier allerältesten erhaltenen romanischen Kronleuchter in Deutschland gehören folgende Leuchter: Heziloleuchter (mit dem Durchmesser von 6 Metern). Azelinleuchter oder auch als Thietmarleuchter genannt in dem Hildesheimer Dom nicht weit von Hannover, Barbarossaleuchter im Aachener Dom in der Nähe von Köln und Hartwigleuchter in der Comburger Klosterkirche bei Schwäbisch Hall nicht weit von Stuttgart.

In der Gotik taucht zum ersten Mal eine Leuchte in der Form eines Kreuzes auf, die für die Beleuchtung von profanen Räumen bestimmt war. Es handelte sich dabei um eine einfache Leuchte aus Holz mit Kerzen, die am Ende der Arme befestigt sind. Senkgerecht zu der Achse des Kreuzes wird ein Prisma mit einer Schlinge für die Befestigung von einem Seil mit Rollenscharnier angeschlossen. Das ermöglicht den Leuchter einfacher herunterzulassen und erleichtert den Zugang zu den Kerzen. Erste schriftliche Erwähnung bzw. die Abbildung dieses neuen Leuchter-Typs taucht zum ersten Mal in dem Buch Le Livre des tournois von René d’Anjou, das um das Jahr 1460 entstanden ist.

In der Spätgotik findet man eine Besonderheit und zwar das sogenannte Leuchterweibchen oder auch Lüsterweibchen. Solcher Kronleuchter ist durch die waagrecht angeordneten Geweihstangen mit einer geschnitzten polychromierten Halbfigur charakteristisch, deren Form oft durch Heraldik inspiriert wird. Ursprüngliche Lüsterweibchen befinden sich zum Beispiel in den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg oder in dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Albrecht Dürer hat im 16. Jahrhundert einige solche Kronleuchter entworfen.

Unter die interessanten Typen der Kronleuchter aus der Renaissance gehört sogenannter flämischer Kronleuchter aus der Wende des 16 und 17. Jahrhunderts, der bis heute als ein Muster für zahlreiche Hersteller dient. Sein Bau ähnelt einem Kegel. Die Arme erstrecken sich bis zu der unteren Ebene des mittleren Teils der Leuchte mit kugeliger Form. Mitten der Arme sind Dekorationselemente angebracht, an die die einzelnen plastischen Blumen mit Stielen befestigt werden. Diesen Typ einer Leuchte kann man z.B. in dem Mainfränkische Museum Würzburg in Bayern bewundern.

Ein klassischer Vertreter des Barocks ist lyraförmiger Maria Theresia Lüster aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das tragende Element bildet nicht die zentrale Stange sondern ein Skelett aus Stahl. In der Mitte des Lüsters befinden sich ein Glasbaluster oder eine Vase. Aus dem unteren Teil ragen flache Arme, die mit Glasleisten belegt sind. Verbindungsflächen der Leisten werden durch Glasrosetten bedeckt. Solche Leuchter werden meistens vergoldet oder verzinnt. Barock ist zugleich die Epoche, während der der erste Lüsterbehang seine Verwendung findet, dessen Formen nur mit kleinen Modifikationen bis heute verwendet werden.

Kronleuchter, die im Rokoko oder Spätbarock entstanden sind waren bunt und reichlich dekoriert. Am häufigsten wurden Kristallglas, vergoldetes Metall und Holz mit geschnitzten Motiven der Natur verwendet. In dieser Epoche hat man angefangen Porzellankronleuchter herzustellen.

Das tragende Element der Empire-Kronleuchter, die während Klassizismus hergestellt wurden, ist eine Stange mit einem Ring, der auf dem unteren Teil befestigt wird. Solche Kronleuchter wurden reichlich mit Glasketten geschmückt und ihre Form ähnelt einer Birne. Der Behang ist nicht so verschiedenartig wie es in der vorangehenden Epoche der Fall war.

Die Erfindung der elektrischen Glühbirne hat die weitere Entwicklung der Kronleuchter wesentlich beeinflusst.

Der Jugendstil ist durch eine Abkehr von Historismus gekennzeichnet. In dieser Epoche überwiegt eine neue, modernistische Gestaltung von Leuchten. Eine einfache Konstruktion aus dem polierten Messing und Glas, die durch Elemente mit floralen Motiven ergänzt wird, wirkt in den Interieurs leicht und unterstreicht die Funktion der Leuchte. Im Jugendstil sind die heutzutage schon klassischen Leuchten entstanden, deren Schirme aus kleinen Glasstücken hergestellt sind, die durch ein Kupferblech und Lötkolben verbunden sind.

Die anknüpfende Stilrichtung Art Déco betont vor allem die Schlichtheit. Zuerst hat Art Déco nur luxuriöse Gegenstände beeinflusst, hat sich aber schnell auch auf die massenhaft hergestellten Gegenstände verbreitet. Bei der Herstellung von Leuchten werden neben den klassischen Materialen auch die bis dahin übersehenen oder unbekannten Materialien verwendet wie zum Beispiel Keramik, poliertes Chrom und Bakelit.